Kommentar zur Verfolgung politischer Aktivisten durch das FBI

Wie vielen Geschichtsinteressierten bekannt ist, wurde Galileo Galilei, berühmter Mathematiker und Astronom, heutzutage bekannt als der „Vater der modernen Wissenschaft“, im 17. Jahrhundert unter Androhung von Folter durch die katholische Kirche genötigt, seine „ketzerische” Ansicht, die Erde drehe sich um die Sonne statt anders herum, zurückzunehmen. Diese wissenschaftlich belegte Idee unterwanderte das lange aufrechterhaltene religiöse Dogma und stellte so die Integrität der Kirche in Frage.

In einem Brief aus dem Jahr 1643 schrieb René Descartes, einer der bekanntesten Philosophen und Denker der Geschichte: „Zweifellos ist Ihnen bekannt, dass Galileo kürzlich von den Inquisitoren des Glaubens zensiert wurde und dass seine Ansichten bezüglich der Bewegung der Erde als ketzerisch verurteilt wurden. Ich muss Ihnen sagen, dass alle Dinge, die ich in meiner Abhandlung erklärt habe – einschließlich der Lehre der Bewegung der Erde – so ineinander verflochten waren, dass es genügt, ein einziges falsches Argument zu entdecken, um davon ausgehen zu können, dass alle anderen ebenso ungültig sind. Obgleich ich dachte, dass sie auf sicheren und offensichtlichen Beweisen beruhten, würde ich diese niemals entgegen der kirchlichen Autorität aufrechterhalten wollen… Ich wünsche mir in Frieden zu leben und das Leben fortzuführen, das ich unter dem Motto ‘Um gut zu leben, muss man ungesehen bleiben’, angefangen habe.”

Wenn wir einen Schritt zurücktreten und an die Herausforderungen denken, denen diese kleine, fortschrittliche Gruppe von Wissenschaftlern während des 17. Jahrhunderts in Europa gegenüberstand und die Angst und repressiven Muster der etablierten Orthodoxie jener Zeit mit der von heute vergleichen, so finden wir nur eine geringe Abweichung. Descartes Enthüllung und sein Rückzug, ausgedrückt durch das Motto: „Um gut zu leben, muss man ungesehen bleiben”, ist eine entmutigende Auffassung, die Bände spricht und leider bis heute weltweit anhält.

Der Gebrauch von Angst, Einschüchterung und anderen bewährten Formen von Unterdrückung existiert weiterhin, da die dominierenden gesellschaftlichen Institutionen daran arbeiten, die bestehenden Machtverhältnisse zu schützen – ungeachtet ihres sozialen Nutzens. Hinzu kommt, dass die Kultur im Generellen dazu tendiert, die allgemein anerkannten Vorstellungen derjenigen zu unterstützen, die die „Macht” einer bestimmten Ära definieren. Gleichzeitig neigt sie dazu, diejenigen zu verurteilen, die die Dinge hinterfragen, denn dies stellt eine Bedrohung für die von der Masse akzeptierten Identität dar. Daraus ergibt sich, dass viele schlicht nicht bereit sind, ihr Leben, ihre Tätigkeiten und ihren Ruf zu riskieren, um die Orthodoxie der Zeit herauszufordern.

Ende Mai 2011 sah man in den Nachrichten, wie das Federal Bureau of Investigation (FBI) in den USA aktiv darauf abzielte, „Politische Aktivisten” unter dem Vorwand des Kampfes gegen den „Terror” zu verfolgen. Genau wie Menschen wie John Lennon und Martin Luther King aufgrund ihres Aktivismus vor Jahrzehnten durch das FBI beobachtet und belästigt wurden, erscheint es heute modern, den sogenannten „Anti-Terrorismus” als Vorwand für die Verfolgung von Umweltschützern, Friedensverfechtern, Tierrechtlern und politischen Aktivisten zu nutzen. Vergleichbar mit den Anschuldigungen des „Kommunismus” gegen Menschen wie Martin Luther King Jr. Mitte des 20. Jahrhunderts, ist dieser neuere, verallgemeinerte Apparat des 21. Jahrhunderts namens „Terrorismus” ein nicht weniger „ketzerisches”, anschuldigendes Werkzeug als jenes, welches von der Inquisition vor Jahrhunderten verwendet wurde, um das politisch-religiöse System aufrecht zu erhalten. Demnach können wir mit Descartes Auffassung, dass es auf zu große Widerstände träfe, sich gegen den Zeitgeist zu richten, sympathisieren, ganz egal wie offensichtlich, notwendig und belegt die Wahrheit ist, die es aufzudecken und nach der es zu handeln gilt.

Bedauerlicherweise ist Descartes Position in der modernen Welt nicht haltbar. Die Risiken unserer heutigen Ordnung fangen an, deutlich schwerer zu wiegen als das vorübergehende persönliche Risiko, welches durch den aktivistischen Einwand an sich entsteht. Es geht nicht mehr um genaue Daten, „Rechte” oder „Freiheiten”. Heutzutage steht die Stabilität unserer gesamten menschlichen Zivilisation infrage, und falls wir den Kurs nicht ändern, sind wir alle in Gefahr – ungeachtet der Position des Einzelnen in der modernen, feudalen Hierarchie.

Wir können verwirrt zusehen, wie die globale Arbeitslosigkeit durch technologisch bedingte Arbeitslosigkeit zunimmt und regional steigende Instabilität mit sich bringt. Wir können dem systematischen Schuldenkollaps der globalen Wirtschaft zusehen, Staat für Staat, wie Dominosteine, während die selbsternannten Banken der Welt, die Geld aus dem Nichts erschaffen und Knappheit über die Unter- und Mittelschicht eines jeden Landes verhängen, um die Wohlhabenden zu unterstützen, die Kluft zwischen Arm und Reich noch weiter vergrößern. Wir können Däumchen drehend zusehen, wie unsere sog. „Demokratie” sich auf unerklärliche Weise in eine Plutokratie verwandelt und die globale Wirtschaft daran gemessen wird, wieviel Geld die Reichen unter sich fließen lassen. Wir können uns mit technischen Spielereien ablenken, während der Regenwald, der oftmals als „Lunge des Planeten” bezeichnet wird, schneller und schneller zerstört wird, wodurch unsere Fähigkeit reduziert wird, das steigende CO2 in der Atmosphäre zu absorbieren. Wir können den Fernseher laufen lassen, während die Wasser- und Nahrungsmittelknappheit, die momentan eine Milliarde Menschen betrifft, auf zwei oder drei Milliarden ansteigt. Wir können die Klatschpresse beim Bäcker studieren während die Basis der industriellen Zivilisation – die Kohlenwasserstoff-Industrie – in Richtung unüberwindbarer Knappheit schreitet; praktisch ohne aktive Initiative, den Kurs zu ändern. Wir können weiterhin so tun, als ob unsere „Führer” keine „Irre-Führer” sind – von kommerziellen Interessen geleitet, die den Regeln des freien Markts folgen und Gesetzgebung und Ämter so oder so an den Höchstbietenden weiterreichen… Und wir können amüsiert dastehen, während ein neues, globales Wettrüsten Fahrt aufnimmt und jeder Staat der äußerst ernsten Realität ins Auge sieht, dass Kriege um Ressourcen in einem nie dagewesenen Ausmaße auf uns zurollen. Das ist es, was unsere Welt von jener trennt, vor der sich Descartes versteckte.
Die Schreckensmethoden der Orthodoxie – in diesem Fall das FBI oder jeder andere beliebige „Geheimdienst” – verdienen keinerlei Form von Besorgnis oder gar Beachtung mehr.

Zu keiner Zeit im Laufe der Geschichte kam sozialer Wandel ohne den feindlichen Widerstand der herrschenden Ordnung der jeweiligen Zeit. Wenn man sich für Angst entscheidet, dann existiert sie auch, und die Listen und Statistiken der Geheimdienste und der Polizei gewichten. Wenn man sich für Liebe, Stolz und Selbstachtung entscheidet, dann können einem keine Anschuldigen, Listen oder Drohungen jemals stoppen. Der Trick liegt in der Menge. Wenn wir die kritische Masse erreichen, um die „Teile-und-Herrsche-Techniken” zur Aufrechterhaltung der Orthodoxie gewaltlos zu überwinden, ist das Spiel vorbei.

Das Zeitgeist Movement ist eine globale Aktivismus-Bewegung für Nachhaltigkeit, die auf das gemeinsame Ziel hinarbeitet, die Welt zusammenzuführen und das Überleben der Menschheit zu sichern bevor es zu spät ist. Es ist eine soziale Bewegung – keine politische – mit über 1.100 Projektgruppen in nahezu allen Ländern der Erde. Teilende Begrifflichkeiten wie Nationen, Regierungen, Rassen, politische Parteien, Religionen, Glaubensgrundsätze oder Klasse sehen wir als nicht funktionierende Unterscheidungen an. Stattdessen erkennen wir, dass die Erde ein einheitliches System ist und dass die menschliche Spezies als Ganzes den gleichen Lebensraum bewohnt. Unsere übergeordnete Absicht kann zusammengefasst werden als „Anwendung der wissenschaftlichen Methode auf soziale Belange”.

Quelle: thezeitgeistmovement.com/press_releases/tzm-response-to-fbi-targeting-political-activists-as-terrorists